Therapieevaluation bei kraniofazialen Fehlbildungen

 

Im Rahmen dieser Studie sollen Kinder mit einem frühzeitigen Verschluss der Sagittalnaht (Nahtstelle zwischen den Schädelplatten) und Kinder mit Lagerungsplagiozephalus (ausgeprägte Asymmetrien und Schädelverformungen aufgrund einseitiger Lagerung) untersucht werden. Inwieweit diese Schädeldeformitäten die neuropsychologische Entwicklung negativ beeinflussen, ist bislang nur ungenügend erforscht. Bezüglich beider Krankheitsbilder herrscht Uneinigkeit über die therapeutische Strategie. So wird bei Kindern mit Lagerungsplagiozephalus die modellierende Therapie mittels Kopforthese („Helmtherapie“) kontrovers diskutiert. Erschwert wird die Therapieentscheidung und Verlaufskontrolle zusätzlich durch die eingeschränkte Qualität der diagnostischen bildgebenden Verfahren. Da aus Gründen des Strahlenschutzes eine 3D-CT-Untersuchung (Computertomographie)  nur in Ausnahmefällen gerechtfertigt ist, beruht die Dokumentation nach wie vor auf der 2D-Kaphalometrie (Vermessung der inneren und äußeren Strukturen des Kopfes) und der Photodokumentation.
  

Ziele des Forschungsvorhabens sind daher:    

  • die Etablierung der dreidimensionalen Stereophotogrammetrie als lichtoptisches, non-invasives bildgebendes Verfahren in der Diagnostik und Verlaufskontrolle kindlicher Schädeldeformitäten sowie
  • der Vergleich der unterschiedlichen therapeutischen Konzepte (bei Kindern mit Sagittalnahtsynostose: mit und ohne chirurgische Intervention; bei Kindern mit Lagerungsplagiozephalus: mit und ohne individuell gefertigter CAD/CAM Kopforthese) hinsichtlich der morphologischen Veränderungen des Schädels und der neuropsychologischen Entwicklungsverläufe.

Hierzu werden zu definierten Zeitpunkten die vorsprachliche und frühe sprachliche Entwicklung, ebenso wie entwicklungsneurologische Parameter hinsichtlich der intellektuellen Entwicklung longitudinal erfasst und analysiert. Langfristiges Ziel ist es, Vorhersageparameter zum Krankheits- und Therapieverlauf von Kindern mit Saggitalnahtsynostose bzw. Lagerungsplagiozephalus zu detektieren.

Die Begabungspsychologische Beratungsstelle der Universität Würzburg ist in diesem Projekt für die neuropsychologischen Testungen zuständig. Sie schult und stellt Testleiter für die Durchführung des Testverfahrens Bayley-Scales II zur Erfassung des motorischen und kognitiven Entwicklungsstandes der Kinder im Alter von 6, 12 und 24 Monaten.

 

Projektzeitraum: Januar 2010 bis Dezember 2012

   
     
Folgende Einrichtungen sind an diesem interdisziplinären Projekt beteiligt:
  

Poliklinik für Kieferorthopädie, Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (Prof. Dr. rer. nat. K. Wermke)

Kinderklinik und Poliklinik, Direktor Prof. Dr. C. P. Speer (Dr. med. L. Gerstl)

Kunststofftechnik, Fachhochschule Würzburg (Prof. Dipl. Ing. W. Baur)

Institut für Psychologie, Lehrstuhl für Psychologie IV und Begabungspsychologische Beratungsstelle der Universität Würzburg (Prof. Dr. W. Schneider)

Funktionswerkstoffe der Medizin und der Zahnheilkunde (Priv. Doz. Dr. rer. nat. U. Gbureck)

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Abt. Humanevolution (Dr. rer. nat. P. Gunz)

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie (Dr. med. C. Linz)